Das echte Wunder
Als Bankei im Ryumon-Tempel predigte, war ein Shinsu-Priester, der an die Erlösung durch die Wiederholung des Namens des Buddha der Liebe glaubte, eifersüchtig auf Bankeis große Zuhörerschaft und wollte mit ihm debattieren.
Bankei war mitten in einer Rede, als der Priester erschien, aber der Mann verursachte eine solche Störung, dass Bankei seine Ausführungen unterbracht und nach dem Grund des Lärms fragte.
„Der Gründer unserer Sekte“ prahlte der Priester, „hatte so wunderbare Kräfte, dass er einen Pinsel auf der einen Seite des Flusses in der Hand hielt und sein Diener auf der anderen Seite ein Papier, und der Lehrer schrieb den ganzen Namen Amidas durch die Luft. Kannst du etwas so Wunderbares tun?“
Bankei erwiderte milde: „Vielleicht kann dein Schlaukopf diesen Trick zeigen, aber das ist nicht die Art des Zen. Mein Wunder besteht darin, dass ich esse, wenn ich hungrig bin, und trinke, wenn ich durstig bin.“
Paul Reps
Besonders Anfänger auf dem spirituellen Weg möchten gerne Wunder und Lichter sehen, wenn nicht bei sich selbst, so doch bei Meistern und Fortgeschrittenen. Doch das wirkliche Wunder liegt, wie diese Geschichte lehrt, auf einer anderen Ebene und drückt sich hier in Einfachheit und Achtsamkeit aus.
Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Antoine de Saint-Exupery


