Dharma Yoga
Ein Beitrag von Mag. Jasmin Yasmin
Dharma Yoga ist ein Begriff, der mir in den letzten Monaten in den Sinn gekommen ist und zwar als Bezeichnung für eine bestimmte Haltung und Handlungsweise im Alltag.
Wenn wir Yoga üben, so sind wir bestrebt, Harmonie, Gesundheit und Wohlbefinden zu erfahren und möchten uns insgesamt glücklicher fühlen. Letzten Endes kann dies jedoch nicht losgelöst von unserem Lebensganzen erreicht werden. Dazu erscheint mir neben Yoga auch ein hohes Maß an Dharma erforderlich zu sein.
Dharma bedeutet Pflicht, Lebensgesetz, das rechte Maß, Tugend, Rechtschaffenheit, Wahrhaftigkeit, das Gute in allen Dingen.
Svadharma (sva heißt eigen) ist unsere je individuelle Ausprägung dieses Lebensgesetzes und umfasst unsere ganz besonderen Talente und Aufgaben, unsere Berufung im Leben, das, was unserem Wesen gemäß ist und uns entspricht.
In der Erfüllung unseres Svadharma (mehr dazu findest du natürlich auch in der Bhagavad Gita) erscheint es mir jedoch wichtig, dass wir auch der Welt um uns herum ausreichend Beachtung schenken.
Wir sind nicht nur innerlich und metaphysisch „eins“, sondern tatsächlich und ganz konkret mit allem verbunden und bewegen uns in einem dynamischen Feld von Ursache und Wirkung, also mitten im Reich des Karma.
Karma im Sinne von Handlung kann positive und segensreiche Folgen nach sich ziehen – oder eben auch leidvolle und negative Konsequenzen haben. Was wir säen, ernten wir.
Dies wirklich zu berücksichtigen bedeutet für mich auch, ganz bewusst darauf zu achten, in welchen Kreisläufen und Systemen wir uns bewegen, mit welchen Energien wir uns verbinden, wo wir Unterstützung gewähren oder entziehen. Darin liegt große Verantwortung, einmal für uns selbst, aber auch für das Ganze.
Als Beispiel möchte ich hier das Einkaufen nennen – das Yoga of Shopping, wie ich es nenne. Es ist nicht egal, wie und wofür wir Geld ausgeben. Wenn wir ausbeuterische und lebensfeindliche Produktionsbedingungen unterstützen, werden wir letztendlich immer auch zu MittäterInnen und verbinden uns energetisch mit diesen Systemen. Wenden wir uns hingegen über den Weg des Geldflusses Menschen und Kreisläufen zu, die in lebensfördernder und achtsamer Weise arbeiten, so werden wir Teil aufbauender und konstruktiver Systeme.
Wenn wir anderen Menschen ermöglichen, ihre Aufgabe in Würde zu erfüllen, so wird dieses Gute unweigerlich auch zu uns selbst zurückfinden. Wenn wir anderen Menschen ermöglichen, für ihre Arbeit angemessen bezahlt zu werden, so schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass sich dies auch für unsere eigene Arbeit erfüllt.
Wenn wir Arbeitsweisen unterstützen, die Menschen, Tiere und Pflanzen, ja die Natur überhaupt LEBEN LASSEN, so kehrt auch dieser Segen in angenehmster Weise wieder zu uns selbst zurück.
Oft höre ich den Einwand, dass diese Dinge und Leistungen in der Regel teurer sind, doch ich finde, das dürfen sie auch sein. Ihr Wert für uns selbst und das ganze ist nämlich ungleich höher als der von Billigst- und Wegwerfprodukten, die ja nur scheinbar so günstig sind, in Wahrheit jedoch Raubbau an unseren Lebensgrundlagen treiben.
Ich würde dich daher gerne einladen, zunehmend mit offenen Augen und einem mitfühlenden Herzen einzukaufen. Jede Entscheidung zählt.
Die yogische „Entsagung“ könnte ja zumindest damit beginnen, sich mehr und mehr von unethischen sowie ökologische bedenklichen Produkten und Leistungen zu distanzieren. Auch wenn es noch nicht für alles (z.B. das Auto) befriedigende Alternativen gibt, werden eben diese Alternativen sich vermutlich schneller manifestieren, je mehr wir uns aufrichtig um sie bemühen. Auch kleine Schritte in die richtige Richtung können schon große Freude bereiten.
Das „Weltverbessern“ ruht ja nicht nur auf unseren Schultern – da würden wir wahrscheinlich zusammenbrechen, sondern durchaus in göttlichen Händen. Gelassenes Handeln im Rahmen des individuell Möglichen erscheint mir da als weiser Mittelweg. Zu dieser Einstellung gibt es einen schönen Text von Mutter Teresa, die ja nun wirklich nicht untätig war ...
TROTZDEM
Menschen sind of unvernünftig, irrational und selbstbezogen;
Vergib ihnen trotzdem.
Wenn du freundlich bist, könnten die Menschen dir vorwerfen, dass du selbstsüchtige Hintergedanken hast;
Sei trotzdem freundlich.
Wenn du erfolgreich bist, wirst du ein paar falsche Freunde gewinnen
und ein paar echte Feinde;
Sei trotzdem erfolgreich.
Wenn du offen und ehrlich bist, könnten die Menschen dich betrügen;
Sei trotzdem offen und ehrlich.
Wenn du Jahre damit verbringst, etwas aufzubauen, könnte es jemand über Nacht zerstören;
Baue es trotzdem auf.
Wenn du Gelassenheit und Glück findest, könnten andere es dir neiden;
Sei trotzdem glücklich.
Das Gute, das du heute tust, werden die Menschen oft morgen schon vergessen haben;
Tue trotzdem Gutes.
Gib der Welt das Beste, was du hast, und es mag dennoch nie genug sein;
Gib der Welt trotzdem das Beste, was du hast.
Wie du siehst, letzen Endes ist dies eine Sache zwischen dir und Gott; es geht nie wirklich um die „anderen“.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude mit Dharma Yoga, einem Alltagsyoga, das dem Leben dient und alles Gute fördert.
Vielleicht kennst du den alten Spruch: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ Nun, stell dir vor, da ist Adharma (das Gegenteil von Dharma), und keiner macht mit ...
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