Einführung in die Meditation
Unser Erziehungs- und Ausbildungssystem vermittelt uns eine Fülle von Kenntnissen und Fähigkeiten, mit deren Hilfe wir uns in unserer Umwelt bewegen können: Wir lernen lesen, schreiben und rechnen, Fremdsprachen, Buchhaltung, ein Handwerk, ein Auto zu lenken, mit Computern umzugehen, wir lernen von längst vergangenen Kriegen, von Wirtschaftssystemen und fernen Sternen. All diese Kenntnisse und Fähigkeiten zielen auf die Welt, die uns umgibt. Vergeblich sucht man in den Stundenplänen in Schulen und Universitäten das Fach „Meditation und Innenschau“. Die Fähigkeit, die inneren Dimensionen des Geistes zu erforschen und zu kontrollieren, bleibt uns zumeist völlig fremd. Wir lernen, uns in der Welt zu bewegen, ohne denjenigen zu kennen, der sich in der Welt bewegt, ohne uns selbst wirklich zu kennen! In allen Religionen und spirituellen Bewegungen auf der ganzen Welt erkannte man die Bedeutung der Meditation. Man erkannte den Wert dieser „Tätigkeit“, die sich grundlegend von allen anderen Tätigkeiten, die der Mensch durchführt, unterscheidet und die deshalb Wirkungen hervorbringt, die von keiner anderen Tätigkeit hervorgebracht werden können.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass 95% des geistigen Potentials des Menschen nicht genutzt wird. Unser Tagesbewusstsein versucht mit einem winzigen Bruchteil unserer geistigen Kraft auszukommen! Der Schlüssel zum Aktivieren und Entfalten des vollen geistigen Potentials ist die Meditation. Meditation ist der Schlüssel, die gewaltigen unbewussten Inhalte des Geistes, die unter der Bewusstseinsschwelle liegen, zu nutzen und bewusst zu machen, während der bewusste Geist kontrollierbarer und lenkbarer wird; man wird zu verbesserter Konzentration fähig, denkt klarer, strukturierter und alle Handlungen werden bewusster, achtsamer. Darüber hinaus führt nur Meditation zu der Einheit mit dem göttlichen, unendlichen Prinzip, das jenseits von Körper und Geist liegt - ohne Meditation ist eine spirituelle Entwicklung kaum denkbar.
„Ohne Hilfe der Meditation kann man das Wissen um das Selbst nicht erlangen. Ohne ihre Hilfe kann man nicht in den göttlichen Geist hineinwachsen. Ohne sie kann man sich nicht vom Netz des Geistes befreien und Unsterblichkeit erlangen. Meditation ist der einzige, königliche Weg zum Erlangen der Freiheit. Sie ist eine mystische Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reicht, vom Irrtum zur Wahrheit, von der Dunkelheit ans Licht, vom Leiden zur Wonne, von der Ruhelosigkeit zum bleibenden Frieden, von der Unwissenheit zum Wissen, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit.
O Strebende! Meditiert regelmäßig und systematisch jeden Tag. Es ist ein großer Verlust, wenn ihr nur einen einzigen Tag verliert!“
Swami Sivananda
Meditation verlangt Geduld und Disziplin, eine gewisse geistige Anstrengung. Aber diese Anstrengung ist der Mühe wert, mehr als jede andere Mühe in deinem Leben!
Wirkungen der Meditation
Auch für Menschen, die nicht nach dem höchsten Ziel, der Selbstverwirklichung, der göttlichen Einheit streben, ist Meditation von herausragender Bedeutung: Es wurde durch zahlreiche Studien belegt, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, ausgeglichener und auch gesünder sind sowie stabilere und positivere soziale Beziehungen haben:
• Kopfschmerzen werden um 50% reduziert, Asthma um 30%, Schlafstörungen um 70%
• Knochenbrüche heilen um 20 % schneller
• Das Herzinfarkt-Risiko sinkt um 40%
• Die Wahrscheinlichkeit psychischer Krankheiten ist um 30% reduziert
• die Lebenserwartung steigt um 4 - 5 Jahre
• man wird selbstbewusster, ausgeglichener, fühlt sich glücklicher
• das subjektive Energiegefühl nimmt um 25 - 30 % zu, womit sich auch das Selbstbewusstsein erhöht.
• Meditation weckt die Kreativität: In USA meditieren die meisten Künstler
• Meditation wird bereits an zahlreichen Kliniken als Therapie für vielerlei Erkrankungen mit großem Erfolg eingesetzt.
• Der meditierende Mensch braucht weniger Schlaf - die in Meditation „investierte“ Zeit wird damit mehr als zurückgewonnen!
• Bei allen Studien wurden keine negativen Ergebnisse erzielt!
Resümee von Sukadev Bretz (Yoga Vidya): „Wenn Yoga und Meditation eine Pille wäre, würde sie massenhaft verschrieben werden.“
Konzentration
Der Geist ist unruhig, flatterhaft und liebt es, von einem Objekt zum nächsten zu springen. Er braucht stets eine Beschäftigung. Es ist schwierig, den Geist zu kontrollieren, zu konzentrieren. Die Grundlage für einen stillen, meditativen und in sich ruhenden Geist ist die Fähigkeit zur Konzentration.
Beobachte dich selbst, wie viel einfacher es für dich ist, wenn du über eine bestimmte Sache nachdenken kannst, oder ein Buch oder eine Zeitung zu lesen, als wenn du dir vornimmst, mit jedem Einatmen „So-„ und mit jedem Ausatmen “-Ham“ - und an nichts anderes - zu denken. Dein Geist wird sich gegen diese Eintönigkeit wehren, er will seine eigenen Wege gehen; er will nicht diszipliniert werden. Bei der geringsten Unachtsamkeit wird er wieder in seine gewohnten Bahnen auszubrechen. Und erst später fällt dir auf, dass du schon seit ein paar Minuten von der Übung abgeschweift bist!
Die Konzentration, die Achtsamkeit, die den Geist diszipliniert und kontrolliert und damit zu einem starken Instrument macht, ist nicht nur eine Grundlage für die Meditation, sondern eine Voraussetzung für Erfolg im persönlichen Leben, in Beruf und Freizeit.
„Wenn du die Strahlen der Sonne der Sonne durch eine Linse bündelst, können sie Wolle oder ein Stück Papier verbrennen; aber die zerstreuten Strahlen vermögen dies nicht. Das Wasser wird in Dampf umgewandelt und der Dampf wird an einer Stelle konzentriert. Die Lokomotive bewegt sich. Dies sind Beispiele für die Kraft der Konzentration. Genauso wirst du wunderbare Konzentration erlangen, wenn du die zerstreuten Strahlen des Geistes zusammenführst und an einem Punkt sammelst. Der konzentrierte Geist wird wie ein starker Scheinwerfer sein, um die Schätze der Seele zu finden. Menschen, die Konzentration üben, entwickeln sich rasch. Was andere in sechs Stunden tun, kann von einem konzentrierten Menschen in einer halben Stunde getan werden. Konzentration hilft dem Menschen auch in seinem materiellen Fortkommen. Er wird sehr gute Ergebnisse bei seiner Arbeit im Büro oder in seinem Geschäft haben. Nichts ist unmöglich für einen Menschen, der regelmäßig Konzentration übt.“
Swami Sivananda
Konzentration ist die Grundlage für die Meditation. Aus Konzentration entsteht Meditation. Anfangs ist die Übung vielleicht ermüdend, aber bald wird der Geist klar und scharf sein und gleichzeitig Frieden und Ruhe erfahren.
Was ist Meditation?
Als Meditation wird sowohl die Übung, das Tun, der Vorgang des achtsamen Gewahrseins als auch dessen Ergebnis, der meditative Zustand bezeichnet. Betrachten wir nun diese beiden Aspekte der Meditation:
1. Die meditative Übung
In der Meditation geht es nur in den Anfangsstufen darum, etwas zu erschaffen, etwa Bilder oder Gefühle. Die eigentliche Meditation beschränkt sich auf ein entspanntes Gewahrsein: Ich beobachte, dass sich beispielsweise die Atmung bewegt, oder dass sich das Mantra, gleichsam von selbst, wiederholt. Ich werde auch der Gedanken, die in meinem Geist auftauchen, gewahr; ich fühle mich als Zeuge der Gedanken.
Meditation ist eine spezifische Technik des „Ruhen-Lassens“ des Geistes, um einen Bewusstseinszustand zu erreichen, der sich grundlegend vom normalen Wachzustand unterscheidet. In der Meditation bist du vollkommen wach und aufmerksam, aber dein Geist ist nicht auf die Außenwelt und die Dinge, die in ihr stattfinden, gerichtet. Dein Geist ist auch nicht im Schlafzustand, und er träumt und phantasiert auch nicht. Dein Geist ist stattdessen klar, entspannt und nach innen gerichtet. Meditation erfordert eine Art innerer Aufmerksamkeit, die still und konzentriert und gleichzeitig entspannt ist.
Swami Rama
Man kann die meditative Übung als ein bewusstes vorübergehendes Verzichten auf seine menschliche Form bezeichnen und erfahren. Unsere menschliche Form besteht aus Bewegung, aus sprechen, atmen, denken. Und nun, in der Meditation, verzichtest du darauf, dich zu bewegen, zu sprechen, zu denken - sogar darauf, tiefer als nötig zu atmen. Du verzichtest auf dein gewohntes, normales So-Sein, löst dich aus dem Feld der typisch menschlichen Erfahrungen, Bewegungen, Gedanken und Gefühle und gehst dafür in einen völlig neuen Zustand ein - in den meditativen Zustand.
2. Der meditative Zustand
Kannst du den Schlaf „machen“? Nein, aber du kannst dich entspannen an Körper und Geist - dann kommt der Schlaf von selbst. Ebenso ist es mit der Meditation: Konzentriere den Geist, und der achtsame, konzentrierte Geist wird das Tor zur Meditation. Der meditative Zustand kommt dann von selbst.
Aus der Konzentration auf ein bestimmtes Meditationsobjekt wird der Geist „einpünktig“ und zieht sich allmählich von allen anderen Wahrnehmungen und Aktivitäten zurück. Wenn aus dieser Konzentration ein beständiges, müheloses und spontanes Fließen des Geistes wird, wenn du fühlst, dass du in dem Meditationsobjekt ruhst und dieses gleichzeitig Teil von dir geworden ist, dann bist du im Zustand der Meditation.
Nach der Yoga-Philosophie gibt es folgende Zustände, in denen sich der Geist befinden kann:
1. Wachen: Der Mensch ist wach, ist sich seines Körpers und Geistes bewusst; es regiert das „Tagesbewusstsein“
2. Traum: Man ist sich des Körpers und Geistes nicht bewusst, dennoch ist eine Ebene des Geistes aktiv; es regiert das Unterbewusstsein.
3. Tiefschlaf: Es herrscht vollständige Stille, man ist auf eine Weise dem Wonnezustand nahe; aber man ist „bewusst-los“, unbewusst.
Durch die Übung der Konzentration und Achtsamkeit wird ein Geisteszustand erzeugt, der als Meditation - oder der vierte Geisteszustand - bezeichnet wird:
4. Meditation: Hier regiert das Überbewusstsein; in diesem Zustand werden die verschiedenen Ebenen des persönlichen Bewusstseins transzendiert. Die Erfahrung des meditativen Zustandes, obgleich jenseits aller Worte, wurde beschrieben als „Friede, der alles Verstehen übersteigt“.
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