Meditationstechniken
Die Meditationstechnik hat die Aufgabe, den Geist zu bündeln, ihm ein Objekt, einen Gegenstand zu geben, mit dem er sich so ausschließlich beschäftigt, dass er durch das Unterbrechen der diskursiven Gedankentätigkeit schließlich in den Zustand der Meditation, in den „vierten Geisteszustand“ eintritt.
Um ein fernes Land zu erreichen, brauchst du ein geeignetes Transportmittel. Ebenso brauchst du, um in den Zustand der Meditation zu gelangen, ein „geistiges Fahrzeug“: das Meditations- oder Konzentrationsobjekt. Dieses Objekt ist Mittel zum Zweck. Nutze es, aber klammere dich nicht daran, identifiziere dich nicht damit, sonst bist du wie ein Reisender, der, am Ziel seiner Reise angelangt, in seinem Auto sitzen bleibt.
So komplex der menschliche Geist ist, so viele Konzentrationstechniken sind denkbar. Von der enormen Anzahl von Techniken, die in den verschiedenen Kulturen in den letzten Jahrhunderten, ja Jahrtausenden entwickelt wurden, werden wir in diesem Kapitel sechsunddreißig Übungen, die für deine persönliche Meditationspraxis von Nutzen sein können, kennen lernen.
Diese Meditationstechniken wurden in acht Gruppen unterteilt, von denen wir im folgenden die ersten beiden Gruppen kennen lernen werden:
1. Gruppe - Stiller Körper
2. Gruppe - Die Atmung
3. Gruppe - Die Chakras und Nadis
4. Gruppe - Mantras
5. Gruppe - Persönliche Entfaltung
6. Gruppe - Visuelle Meditationen
7. Gruppe - Zeuge sein
8. Gruppe - Achtsamkeit im Handeln
1. Gruppe - Stiller Körper
Diese Übungen sind empfehlenswert als Vorbereitung für alle anderen Meditationstechniken. Führe eine von ihnen für die ersten fünf Minuten jeder Meditationssitzung oder auch als separate Übung von beliebiger Länge durch.
1A - Entspannung
Fühle die Füße und Beine - Füße und Beine sind entspannt. Füße und Beine - keine Spannung. Becken und Gesäß - keine Spannung; Oberkörper, Rücken, Brust, Bauch - keine Spannung. Hände, Arme und Schultern - keine Spannung; Hals, Kopf, Gesicht - keine Spannung.
Erlaube es deinem Körper, vollständig entspannt zu sein. Entspanne von innen her. Sitze still und entspannt, mit einem nach innen gerichteten Halblächeln. Es ist nichts zu tun, kein Mühen, kein Wollen - keine Spannung. Friede strahlt aus der Mitte und du öffnest dich diesem Frieden.
1B - Stiller Körper
Fühle, wie der Körper stiller und stiller wird, er wird so fest und ruhig wie ein Fels. Stelle dir einen gewaltigen Felsen vor, an dem sich die Brandung bricht. Er weicht keinen Millimeter. Werde zu dieser Festigkeit und vollendeten Stille, bis du spürst, dass sich die Wahrnehmung des Körpers allmählich verändert. Er ist nicht mehr so da wie zuvor. Er ist da und doch verschwunden.
1C - Energiefeld
Richte deine Aufmerksamkeit in den Körper; fühle ihn von innen. Fühle das feine Energiefeld, das deinen ganzen Körper erfüllt und Leben in jede einzelne Zelle bringt. Spüre das in allen Körperteilen gleichzeitig als ein einziges Energiefeld. Fühle, wie jede einzelne Zelle lebendig wird, stelle dir vor, wie alle Zellen deines ganzen Körpers zu leuchten beginnen.
Nach Eckhart Tolle wird durch diese Übung sowohl der Alterungsprozess des Körpers verlangsamt als auch das Immunsystem gestärkt: „Je mehr Bewusstheit du in deinen Körper bringst, desto stärker wird dein Immunsystem. Es ist, als würde jede Zelle erwachen und sich freuen.“
2. Gruppe - Die Atmung
Nachdem wir den Körper zu meditativer Stille geführt haben, ist es der nächste Schritt, die Atmung bewusst zu machen und ebenso zur Stille zu führen. Diese Übung kann im Anschluss an eine Übung der ersten Gruppe entweder als vertiefende Vorbereitung auf die Hauptmeditation oder als eigenständige Meditation durchgeführt werden.
2A - Der gleichmäßige Atem
Atme drei Sekunden (oder ein beliebiges anderes angenehmes Maß) ein und ebenso lange aus. Übe dies für fünf Minuten. Zähle den Rhythmus innerlich. Dieses Zählen ist Teil der meditativen Übung.
2B - Die Atempausen
Beobachte im normalen, freien Atemrhythmus die Atempausen bzw. den Umkehrpunkt zwischen Ein- und Ausatmung und zwischen Aus- und Einatmung. Blicke tief in sie hinein. Beobachte genau, was in diesen Pausen geschieht.
Gehe dann dazu über, diese Atempausen zu eliminieren. Fühle, wie die einzelnen Atemphasen ineinander übergehen, wie „zusammengeklebt“ - ein ständiger ruhiger Atemfluss, der keinen Anfang und kein Ende hat. Wie ein Kreis, der in sich geschlossen ist.
2C - Der meditative Atem
Lasse die Atmung allmählich, wie von selbst, immer stiller, subtiler und feiner werden. Fühle, wie die Bewegung der Luft in der Nase immer weniger spürbar ist. Der Atemstrom wird allmählich so fein, so weich, dass er nahezu unmerklich ist.
Achte dabei darauf, dass dies mit steigender innerer Stille und Entspannung einhergeht und nicht zu einem Luftanhalten wird, welches Spannung erzeugen würde! Der meditative Atem erwächst aus zunehmender innerer Stille und Entspanntheit und nicht aus einer Willensanstrengung!
2D - Geistige Wechselatmung I
Führe die Wechselatmung durch, jedoch rein geistig, ohne Einsatz der Hand. Leite Prana nur durch die Kraft der Vorstellung wechselweise durch das linke und das rechte Nasenloch. Bei dieser Übung gibt es kein Luftanhalten und die Atemtiefe ist normal. Also: Stelle dir bei normalem Atemrhythmus vor, du atmest durch das linke Nasenloch ein und durch das rechte aus, danach durch das rechte ein und durch das linke aus und so fort.
2E - Geistige Wechselatmung II
Diese Technik ist eine Erweiterung der Übung 2D. Stelle dir vor, dass ein Energiekanal vom linken Nasenloch über die Nasenwurzel auf der linken Körperseite abwärts bis in Nabelhöhe führt, und ein zweiter Energiekanal ebenso auf der rechten Seite. Unten sind die beiden Kanäle verbunden. Fühle, wenn du nun einatmest, dass reine, kristallklare Energie durch das linke Nasenloch und durch den linken Kanal abwärts fließt und die dort befindlichen Unreinheiten in den rechten Kanal spült, und atme dann diese Unreinheiten auf der rechten Seite aus, indem du fühlst, wie sich diese von der Bauchgegend nach oben bewegen und schließlich durch das rechte Nasenloch den Körper verlassen. Dann atme rechts frische Energie ein und verfahre in umgekehrter Richtung. Setze so für mindestens zehn Minuten fort.
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