Yoga und Gesundheit II
Gesund zu sein bedeutet für viele Menschen, nicht krank im Bett zu liegen. Das Yoga-Verständnis von Gesundheit geht jedoch weit über ein „Nicht-Kranksein“ hinaus. Zum einen wäre es oberflächlich, Gesundheit und Krankheit nur auf der körperliche Ebene zu betrachten. Ein Mensch, der wohl organisch gesund ist, sich aber bedrückt oder verzweifelt durch sein Leben schleppt, kann mit Sicherheit nicht als gesund bezeichnet werden. Auch der Geist und die Psyche wollen gesund sein, sich wohl und heil fühlen. Erst wenn wir unser gesamtes Menschsein in eine umfassende Schau des Heilseins einbinden, ahnen wir, was Gesundsein wirklich bedeuten kann. Zum anderen können wir Gesundsein nicht nur negativ, also als eine Abwesenheit von Dysfunktionen oder Beschwerden definieren. Wer sich mit Gesundheit als „Eben nicht krank sein“ zufrieden gibt, versäumt, wozu er als Mensch ein Geburtsrecht hat: auf einen aktiven Zustand von prickelnder Kraft, Frische und Freude.
Während im Westen Krankheiten eher symptomorientiert betrachtet und behandelt werden, überwiegt im Osten und damit auch im Yoga der ursachenorientierte Ansatz. Dieser geht davon aus, dass eine Fehlfunktion nur dann dauerhaft behoben werden kann, wenn man ihre Ursache beseitigt. Wo aber liegt die Ursache von Krankheiten?
Yoga lehrt uns, dass jedes manifestierte (physische oder äußere) Prinzip die Folge eines nichtmanifestierten (inneren oder geistigen) Prinzips ist. So entstehen physische Veränderungen als Folge von astralen Veränderungen, die wiederum ihre Ursache im geistigen Bereich haben. Damit wäre die Ursache von Krankheiten im Denken, in der geistigen Haltung des Menschen zu suchen. Diese führen wiederum zu unharmonischer Atmung, unausgewogener Ernährung, allgemein zu einer krankmachender Lebensweise. Alle Fäden laufen also im Geist zusammen, weshalb diesem Aspekt im Yoga primäre Bedeutung beigemessen wird.
Die zentralen Yoga-Aspekte des Loslassens, der Entspannung, des positiven Denkens führen, wenn sie im Geiste fest verankert sind, nicht nur zu innerem Frieden und Ausgeglichenheit, sondern auch zu deutlich verbesserter körperlicher Gesundheit!
Die meisten Krankheiten entstehen aus geistigen Disharmonien. So können etwa Augenprobleme entstehen, wenn man etwas „nicht mehr ansehen kann“, oder Rückenschmerzen bis zum Bandscheibenvorfall können sich entwickeln, wenn man „zu viel auf den Schultern hat“. Oder Magengeschwüre entstehen, wenn einem etwas „schwer im Magen liegt.“ Man kann also aus der Art der Erkrankung bis zu einem gewissen Grad auf die Ursache, auf das eigentliche Problem schließen.
So lange sich das staatliche Gesundheitswesen hauptsächlich auf das Reparieren von Krankheitssymptomen beschränkt, bleibt es dem einzelnen überlassen, wirkliche Gesundheitsvorsorge zu treffen. Neben den in diesem Buch beschriebenen „yogischen“ Techniken und Gedanken ist es die aufmerksame und bewusste Selbstbeobachtung, die sehr dazu beitragen kann, dass man gesund ist und bleibt: es gilt zu erkennen, wo krankmachende Faktoren im eigenen Leben sind, und diese nach Möglichkeit auszuschalten. Mit kleinen Veränderungen kann man hier oft sehr viel bewirken!
Ein Mensch, der in Einklang mit den Gesetzen der Natur lebt, sich viel im Freien bewegt, sich mäßig ernährt, eine entspannte und positive Geisteshaltung pflegt, wird sehr selten krank sein. Versuchen wir, durch eine Lebensweise, die in Einklang mit den Gesetzen der Natur ist, Krankheiten vorzubeugen - so besiegen wir die Krankheit, bevor sie entsteht!
Auszug aus "Yoga für den Alltag"
- » Yoga und Gesundheit I
- » Yoga und Gesundheit II
- » Yoga und Ernährung I
- » Yoga und Ernährung II
- » Achtsames Essen
- » Stärkung der Verdauungskraft
- » Spannung und Entspannung I
- » Spannung und Entspannung II
- » Yoga-Hilfe bei Allergien
- » Geist und Gesundheit


